Wenn wir über Krisen sprechen dann gehört auch die Situation der Bildung in Deutschland dazu. Nur wird diese Krise nicht ernst genommen, denn es geht dabei nicht um Gewinn oder Verlust. Dass es hier um eine Krise geht die sich sehr wohl in Zahlen ausdrücken lässt und die einschneidende Folgen in den nächsten 15-20 Jahren haben wird, darüber will von den gesellschaftlich Verantwortlichen niemand nachdenken.
Und dabei geht es um die Zukunft unseres Landes, um den Wirtschaftsstandort Deutschland, um die Nation der Dichter und Denker, um die Menschen in diesem Land und um den Platz in einer globalen Welt.
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Profit vor Bildung geht. Anders gesehen löst fehlende Bildung Profitsucht aus? Oder sind Sie der Meinung, dass diejenigen die die Banken und Wirtschaftskrise verursacht haben besonders kluge Menschen sind? Vorausschauendes Denken und Handeln gehört bestimmt nicht zu deren Stärken.
Wenden wir uns der Zukunft zu. Wenn die hemmungslose Profitsucht weiterhin so unterstützt wird und die Bildung weiter so vernachlässigt wird, ist unser Land in naher Zukunft ausgeblutet, dass Kapital abgewandert in die Schwellenländer. Das was dann noch übrig bleibt wird von ausländischem Kapital und Personal gesteuert.
Was ist los in diesem Land? Da werden Milliarden von Steuergeldern in Banken und Industrie gestopft um möglichst schnell aus der Krise herauszukommen und wieder Profit zu machen aber für die Bildung, die Basis der Zukunft, ist der Aufwand demgegenüber kaum wahrnehmbar.
Die Verschuldung jedes einzelnen Bürgers dieses Landes steigt von Stunde zu Stunde ohne dass er einen direkten Nutzen davon hätte und ohne Aussicht auf eine gesicherte Zukunft. Wenn die Bildungschancen mit der gleichen Geschwindigkeit wachsen würden wie die Schulden, dann wäre mir um dieses Land nicht bange.
An unserem Bildungssystem wird seit mehr als 20 Jahren mit vorgespieltem Ernst lustlos herumgebastelt. Nicht im entferntesten wird dabei in Betracht gezogen, dass es um ein System geht. Man bastelt an Einzelheiten ohne die Funktion des Ganzen zu betrachten.
Was gemacht wird erinnert sehr an den Gammelfleisch Skandal. Man erfindet neue Formen der Verpackung, versieht sie mit neuem Verfallsdatum, der Inhalt aber ist längst unbrauchbar.
Alle reden von Bildung, auf fast jeder politischen Agenda, gleich welcher Partei, ist die Bildung zu finden. Selbst die Kanzlerin hat die Bildung zur Chefsache erklärt. Es wird im Brei herumgestochert, jeder glaubt Missstand und Lösung zu kennen. Fragt man aber mit welchem Sollwert er den Missstand verglich hat, ist großes Schweigen.
Was wir also brauchen, ist ein Grundgerüst für ein zukunftsfähiges Bildungssystem mit eindeutigen Vorgaben für Aufbau und Inhalt. Das heißt, wir brauchen zukunftsfähige, dem Stand der Technik anpassbare Lehrpläne mit eindeutigen Zielvorgaben. Damit verbunden ist eine zukunftsfähige Ausbildung der Lehrenden zu entwickeln. Erst dann sind die Rahmenbedingungen für die Umsetzung festzulegen.
Mit diesem Grundgerüst sind wir in der Lage unser heutiges Bildungssystem auf den Prüfstand zu stellen, alle seine Schwächen festzustellen und ein zukunftsfähiges Bildungssystem zu schaffen. Studien dazu sind bereits zahlreich vorhanden, nur werden sie leider nicht wahrgenommen.
Leider ist mit Bildung nicht das große Geld zu machen, sonst wären wir schon viel weiter. Oder ist Bildung politisch unbequemen?
Bildung heißt auch wissen, Politik glaubt zu wissen.
Der bisher so gefürchtete Bildungsmarkt wird an Bedeutung gewinnen. National und international wird der Bildungsmarkt eine vergleichbare Rolle spielen wie die Wirtschafts- und Finanzdaten, denn diese sind indirekt vom Bildungsmarkt abhängig.
Hartmut Brinkmann